Vincennes, Ansicht der Gesamtanlage (Kupferstich des J. A. Ducerceau, 1576). Foto aus: Albrecht, Uwe: Von der Burg zum Schloß. Französische Schloßbaukunst im Spätmittelalter. Worms 1986, Abb. 48

Vincennes, Ansicht der Gesamtanlage (Kupferstich des J. A. Ducerceau, 1576) 

Vincennes, Donjon, Grundrisse des Erdgeschosses links, des 1. Obergeschosses rechts. Foto aus: Albrecht, Uwe: Von der Burg zum Schloß. Französische Schloßbaukunst im Spätmittelalter. Worms 1986, Abb. 50

Vincennes, Donjon, Grundrisse des Erdgeschosses links, des 1. Obergeschosses rechts 

Chenonceau, Seitenansicht nach einem Stich von J. A. Ducerceau. Foto aus: Prinz, Wolfram und G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 1985, Abb. 607

Chenonceau, Seitenansicht nach einem Stich von J. A. Ducerceau 

Chenonceau, Grundriss des Erdgeschosses. Foto aus: Prinz, Wolfram und G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 1985, Abb. 606a

Chenonceau, Grundriss des Erdgeschosses 

Martainville (Seine Maritime), Corps de logis, Hofseite (nach C. Sauvageot, 1867). Foto aus: Kunstsplitter. Beiträge zur nordeuropäischen Kunstgeschichte. Festschrift für Wolfgang J. Müller zum 70. Geburtstag überreicht von Kollegen und Schülern. Husum 1984, Abb. 10

Martainville (Seine Maritime), Corps de logis, Hofseite (nach C. Sauvageot, 1867) 

Martainville (Seine Maritime), Corps de logis, Grundriss des 1. Obergeschosses (nach C. Sauvageot, 1867). Foto aus: Kunstsplitter. Beiträge zur nordeuropäischen Kunstgeschichte. Festschrift für Wolfgang J. Müller zum 70. Geburtstag überreicht von Kollegen und Schülern. Husum 1984, Abb. 9

Martainville (Seine Maritime), Corps de logis, Grundriss des 1. Obergeschosses (nach C. Sauvageot, 1867) 

La Muette, Grundriss nach einem Stich von J. A. Ducerceau. Foto aus: Prinz, Wolfram und G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 1985, Abb. 525

La Muette, Grundriss nach einem Stich von J. A. Ducerceau 

Serlios Grundrissvariante von Poggio Reale in Neapel, 3. Buch, Venedig 1540. Foto aus: Prinz, Wolfram und G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 1985, Abb. 518

Serlios Grundrissvariante von Poggio Reale in Neapel, 3. Buch, Venedig 1540 

Lebach, Schloss "Motte" oder "zur Motten", Teil 2

Letzte Änderung: 28/08/2012

Manoir oder 'festes Haus' des 14. Jh.

Die Burg ist der befestigte Herrensitz des Mittelalters. Ihre Form ist verknüpft mit dem mittelalterlichen Gesellschaftssystem des Feudalismus. Gegen Ende des Hundertjährigen Krieges (1339-1453) geht die Entwicklung von Wehrbau und Wohnbau getrennte Wege. Aus der militärisch sicheren Burg entwickelt sich das wohnliche Schloss, für den fortifikatorischen Schutz sorgen nun eigens dafür angelegte Festungsbauten.


Torbau und Wohnturm (frz. Donjon), die beiden wichtigsten Bestandteile der mittelalterlichen Burgenanlage, werden in den Dienst einer neuen Plankonzeption gestellt.


Das bereits im Wohnturm des 14. Jh. (Bsp. Schloss Vincennes, Frankreich) geprägte 'französische Raumgefüge' mit der Einbeziehung der Ecktürme in den Wohnbereich und das damit entstandene 'appartement' zeigt nun eine rasche Wendung hin zu mehr wohnlichem Komfort. Die Entwicklung geht weg vom vielgeschossigen quadratischen Turmtypus hin zum mehr breitgelagerten zwei- bis dreigeschossigen Baukörper, dem Typ des 'festen Hauses'. Diesen Typus des 'festen Hauses' oder Herrenhauses mit ganz charakteristischer Grundriss- und Aufrissgestaltung kennen wir bereits seit dem 14. Jh., vor allem aber seit dem 15. Jh. aus Frankreich, wo er als 'manoir' im Gegensatz zum 'château fort' einen festen Begriff in der frühen Schlossbaukunst darstellt (Beispiele: Schloss Chenonceau,  Schloss Martainville bei Rouen, Jagdschloss La Muette, Poggio Reale-Variante von Sebastiano Serlio, 3. Buch).


Unter einem 'manoir' versteht man einen nur schwach befestigten Wohnsitz des niederen Dienstadels, der fast immer mit einer vom 'Haus' abgerückten Landwirtschaft verbunden ist. Das meist in Abhängigkeit eines Landes-bzw. Lehensherrn stehende Anwesen durfte zwar nicht mehr befestigt sein, zeichnete sich aber dennoch durch eine Vielzahl von Wehrbaumotiven aus. Als Fassaden schmückende Elemente haben sie zwar ihre fortifikatorische Funktion verloren, bleiben aber als Herrschaftszeichen des ritterlichen Adels erhalten (Definition Wolfgang Götz, Kunstgeschichte, Universität Saarbrücken, Vorlesung Französische Baukunst 1500 und 1650, SS 1981).


Mit diesem Bautyp wird die Architektur für den niederen Adel zugleich zum Statussymbol und behaglichen Wohnsitz. In ganz Europa erkennt man in der Entstehung dieser adligen Landhäuser eine ähnliche Entwicklung in Bauaufgabe, Idee der Gesamtkonzeption und Repräsentationswillen der Bauherren.

 

In Frankreich sind es im 15. Jh. Torbau und Corps-de-logis, die getrennt oder als Kombination in Form von 'châtelets' das Wesentliche der kleinen Manoirbauten ausmachen.


In der norddeutschen bzw. nordeuropäischen Gutsarchitektur werden Torhaus und Herrenhaus zu den vornehmsten Bauaufgaben. Auch bei Schloss Motten spielen Herrenhaus und Torbau bis ins 18. Jh. hinein eine besondere Rolle. In Motten vollzieht sich ebenfalls dieser Schritt weg von einer befestigten Haupt- und Vorburg hin zum mehr wohnlichen Schloss. Bereits 1332 erhalten die Besitzer von Motten vom Trierer Erzbischof, ihrem obersten Lehensherrn, konkrete Vorschriften zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Burg und das ausdrückliche Verbot einer erneuten Befestigung. Sie dürfen ab 1332 ein 'festes Haus', einen Steinbau, auf ihrem Lehen errichten, weitere Steinbauten werden ihnen nicht erlaubt. Die Lehensauftragung durch den Erzbischof war ganz im Sinne seiner Bündnis- und Vertragspolitik. In diesem Fall muss sie als Abstrafung der streitbaren Edelherren von Hagen gesehen werden, denn es wird nicht nur ihre Macht, sondern auch ihr Ansehen geschmälert, indem sie vom Trierer Erzbischof Balduin vom Freiherrn- in den Ritterstand degradiert wurden.


Diese Gegebenheiten des frühen 14. Jh. lassen uns ohne weiteres das 'feste Haus' Motten in die Entwicklungsreihe der französischen Manoirbauten einordnen. Die ehemals edelfreien Herren von Hagen zur Motten stammen zwar aus einem uralten einflussreichen rheinischen Adelsgeschlecht, waren von jeher adlige Grundbesitzer und aufgrund ihres allodialen Besitzes in der Vierherrschaft Lebach auch Mitglied der Reichsritterschaft, gehörten aber zu Baubeginn ihres Manoirs dem Ritterstand an (vgl. Definition von Manoir).

 

 

 

Bibliografie

  • Margarete Wagner-Grill: Schloß "Zur Motten" bei Lebach. Versuch einer Rekonstruktion nach schriftlichen Quellen. Magisterarbeit an der Fachrichtung Kunstgeschichte der Universität des Saarlandes, 1989 (unveröffentlicht)
  • Fritz Schreiber: Die französische Renaissance-Architektur und die Poggio-Reale-Variationen des Sebastiano Serlio. Berlin 1938
  • Wend Graf Kalnein: Das kurfürstliche Schloß Clemensruhe in Poppelsdorf. Düsseldorf 1956
  • Peter Hirschfeld: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. 1959
  • James S. Ackermann: Sturzes of the Renaissance Villa. In: Internationaler Kongress für Kunstgeschichte. Princeton 20 1963, Bd. 2, 6-18
  • André Chastel: La villa en France au XVI. siècle. In: Bulletin del centro International di studi dell' Architettura Andrea Palladio. Bd. 11  Vicenza 1969, 255-260
  • Josiane Sartre: Châteaux 'brique et pierre' en Picardie. Paris 1973
  • Uwe Albrecht und Matthias Laudt: Torhaus oder Herrenhaus? Überlegungen zu einem Sondertypus frühneuzeitlicher Schloßbaukunst am Beispiel von Seedorf und Dollrott. In: Kunstsplitter. Beiträge zur nordeuropäischen Kunstgeschichte. Festschrift für Wolfgang J. Müller zum 70. Geburtstag. Husum 1984, 42-65
  • Wolfram Prinz und Ronald G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre Geschichte und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 1985
  • Uwe Albrecht: Von der Burg zum Schloß. Französische Schlossbaukunst im Spätmittelalter. Worms 1986



Margarete Wagner-Grill


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