Paul Schneider, "Stein", Tusche auf Papier, 21,6 x 31,5 cm. Abbildung: Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Paul Schneider, "Stein", Tusche auf Papier, 21,6 x 31,5 cm 

Paul Schneider, "Berg", Tusche auf Papier, 25,2 x 32,5 cm. Abbildung: Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Paul Schneider, "Berg", Tusche auf Papier, 25,2 x 32,5 cm 

Paul Schneider, "Lichtstrahl", Tusche auf Papier, 32,5 x 25,2 cm. Abbildung: Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Paul Schneider, "Lichtstrahl", Tusche auf Papier, 32,5 x 25,2 cm 

Schneider, Paul, Edition Laboratorium 14, 2006

Letzte Änderung: 27/07/2015

Mappe mit einem Vorsatzblatt,
einem Textblatt und drei Siebdrucken
Blatt "Berg": 25,2 x 32,5 cm
Blatt "Stein": 21,6 x 31,5 cm
Blatt "Lichtstrahl": 32,5 x 25,2 cm
Jahr: 2007/2010
Auflage: 30 Exemplare

jedes Blatt einzeln nummeriert und signiert


Zweidimensionale Arbeiten des Bildhauers Paul Schneider werden selten gezeigt. Wohl mindestens ebenso selten trennt sich der Künstler von einem Blatt. Dies gilt für die farbigen, zumeist unfigürlichen Aquarelle und - beinahe noch mehr - für die mit klaren Strichen zu Papier gebrachten, zumeist figürlichen Zeichnungen. Dabei ist die Schatztruhe im Bietzer Haus des Künstlers reich gefüllt mit losen Blättern in Mappen, mit Skizzenbüchern und mit tagebuchähnlichen Aufzeichnungen, in denen er ausgeführte Bildhauerarbeiten und herausragende Ereignisse als Skizze und knappe Notiz mit dem Bleistift festhält. Es darf daher als ein Zeichen besonderer Verbundenheit mit dem Institut für aktuelle Kunst im Saarland gewertet werden, dass Paul Schneider als Vorlage für die Edition Laboratorium 14 eigens drei Blätter in Tusche zeichnete.

Auf das Papier sollte "Elementares aus der Hand fließen", wobei die Hand jedes Mal ein anderes Zeicheninstrument führte. Die drei Blätter erscheinen wie drei Veranschaulichungen zu den gemeinsamen Themen Schwarz-Weiß auf Papier, Primat der Linie und der Charakter der Linie.

Das Blatt "Berg" hat Paul Schneider mit dem Pinsel gezeichnet. Von den drei Zeichnungen weist diese die breiteste und am meisten bewegte Linie auf. Die Nachgiebigkeit des Pinsels lässt eine Differenzierung der Strichstärke zu, die bei den starren Zeichenkegeln der Tuschefüller (Rapidographen), die Schneider bei den anderen beiden Zeichnungen benutzte, kaum möglich ist. Eine unregelmäßig geführte Rahmenlinie definiert das Bildfeld. Die Darstellung ergibt sich aus drei dunklen, mit Linien gefüllten und aus zwei hellen, papierweiß stehen gelassenen Feldern, die sich durch die Rahmenlinie des Bildfeldes und durch eigene Randlinien abgrenzen. Die ungefähr parallel geführten, schräg gesetzten und mit leichter Bewegung ausgeführten Fülllinien neigen sich in jedem Feld in eine andere Richtung. So entsteht vor einem dreieckigen (Vorder-) Grund ein das Bild beherrschender Berg und oben links die Spitze eines entfernter liegenden, größtenteils verdeckten weiteren Berges. Der beherrschende Berg indessen bleibt Fragment: nicht nur Abschnitte seiner seitlichen Hänge fehlen, auch der Gipfel ist von der Zeichnung nicht erfasst. Die fehlenden Partien können allenfalls in außerhalb des Bildfeldes liegenden Stellen imaginiert werden.


Berg ist ein Thema, mit dem sich der Steinbildhauer Paul Schneider seit langem und immer wieder aufs Neue auseinandersetzt. Berge und Steine entstehen aus der Bewegung der Erde und kehren durch Verwitterung und Verfall wieder zu ihr zurück. Die Prozesse der Werdens und Vergehens verbildlicht Schneider in der Zeichnung "Berg" durch die Art und Weise, in der er mit leichter Bewegung den Pinsel führt, um die Fülllinien verdichtet und gelegentlich mit sanfter Wellenbewegung auf das Papier zu setzen. Es entsteht der Eindruck, als würden Berg und Grund fließen. Die Bewegungen strömen nach rechts unten; eine Vereinigung von Berg und Grund außerhalb des Bildfeldes ist vorstellbar.

Für die Zeichnung "Stein" entschied sich Paul Schneider für einen Rapidographen von mittlerer Strichstärke. Dargestellt ist ein aus dem Berg gewonnener Stein, dessen individuelle Wesensart den Bildhauer zur Bearbeitung angeregt hat. Der Künstler hat einer Mulde, die den Brocken nahezu als eine Steinschüssel erscheinen lässt, eine Quadratur eingeschnitten, horizontale und vertikale Linien eingekerbt. Auf dem Boden der Vertiefung stellte er einen mehrkantigen Steinpfeiler auf, der in seiner natürlichen Form von einer reinen, stereometrischen Form abweicht. Sein schmaler Schlagschatten schmiegt sich der Mulde an. Paul Schneider hat den dunklen Schatten des Pfeilers durch eine Fläche gekennzeichnet, die mit eng nebeneinander gesetzten Linien verdichtet ist. Hingegen füllte er die Fläche, die den Schatten des Schüsselsteines angibt, mit einem engmaschigen Geflecht sich kreuzender Linien. Mit Fülllinien charakterisierte der Zeichner auch die dunkle, dem Lichteinfall abgekehrte Seite des aufrecht stehenden Steinpfeilers und die übrigen, dem Licht abgewandten, verschatteten Abschnitte des Muldensteins. Dabei suggerieren die Dichte der Linien bzw. die Flächengrößen des stehengelassenen Papierweiß’ die jeweilige Intensität von Dunkelheit und Licht.

Die Zeichnung erinnert einerseits an Bleistiftskizzen, die Paul Schneider von seinen bildhauerischen Arbeiten anfertigt (als Beispiel sei die Skizze für die zwischen 1983 und 1985 geschaffene Skulptur aus Granit und zwei Basaltstelen für die Behindertenschule in Püttlingen angeführt), andererseits wirkt sie durch den geraden Strich des Rapidographen fast wie eine technische Zeichnung. Das Blatt "Stein" mutet eher als zeichnerische Aufnahme einer vollendeten, denn als zeichnerischer Entwurf einer geplanten Arbeit an. Die Darstellung kann daher als Vorführung der Idee eines Sonnensteins begriffen werden. Paul Schneider, der als Bildhauer verschiedene Arten von Sonnensteinen ausgeführt hat, stellt hier einen Typus dieser Gattung vor: der Muldenstein mit aufrecht stehendem Stelenstein. In der schüsselartigen Vertiefung wird das Sonnenlicht aufgefangen. Dabei fällt der Schatten der Stele auf die quadrierte Muldenwand und lässt - nach dem Prinzip der Sonnenuhr - den aktuellen wie auch den wandernden Stand der Sonne ablesbar werden. Die Stele macht Licht, Schatten und Bewegung sichtbar, "eine lebendige Skulptur entsteht".

Den "Lichtstrahl" zeichnete Schneider ebenfalls mit einem Rapidographen, wählte für diese Darstellung jedoch einen kleinen Zeichenkegel. Durch den dünnen, unbewegten Strich wirkt diese Tuschezeichnung in höherem Maße technisch als die Zeichnung "Stein". Verstärkt wird diese Wirkung durch die Ausführung des Lichtstrahls, der als einzige Linie auf den drei für die Edition Laboratorium gefertigten Blätter nicht frei aus der Hand sondern unter Zuhilfenahme eines Lineals gezogen wurde. Er verläuft zwischen dem oberen Bildrand - hier etwas aus der Mitte nach links versetzt - und dem unteren Bildrand - dort von der Mitte nach rechts versetzt. Dabei durchdringt er einen aus zwei Würfeln, einem Quader und einem Zylinder verschachtelt zusammengefügten Körper, den der Zeichner in geringfügiger Kippstellung und in leichter Aufsicht ungefähr mittig auf das Papier gesetzt hat. Beim Zeichnen der dreidimensionalen Körper hat Paul Schneider die Linie ausschließlich für die Kanten eingesetzt und auf Fülllinien zur Bezeichnung von Bewegung oder Dunkelheit wie bei "Berg" oder "Stein" völlig verzichtet. So erscheint der Körper transparent. Der Lichtstrahl - visualisiert in dem mit Lineal gezogenen dünnen Tuschestrich - lässt sich auf dem Weg durch das Innere des Körper verfolgen. Paul Schneider veranschaulicht in dieser Zeichnung den Gedanken, dass Lichtstrahlen Materie durchdringen. Indes stellt er bei seiner 'Versuchsanordnung' die Objekte im Widerspruch zu ihrer natürlichen Beschaffenheit dar: der Lichtstrahl ist dunkel, die Materie immateriell widergegeben - ein Weg, den das Thema schwarze Linie auf weißem Papier weist.

 

 

Bibliografie

  • Paul Schneider. Aquarelle und Zeichnungen 1947-2001. Herausgegeben von der Mittelstadt St. Ingbert in Zusammenarbeit mit dem Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis. Bearbeitet von Claudia Maas. Saarbrücken 2001 >>>

 

 

Oranna Dimmig


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