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Inga Rusz, "Haus, gekippt", 2008, Holz, Schiefer, 176 x 132 x 132 cm (Foto: Christine Kellermann, 2008)

Inga Rusz, "Haus, gekippt", 2008, Holz, Schiefer, 176 x 132 x 132 cm 

"Haus, gekippt", 2008 (Foto: Christine Kellermann, 2008)

"Haus, gekippt", 2008 

Schaumberg, Rusz, Plastik

Inga Rusz, "Haus, gekippt", 2008

Holz, Schiefer, 176 x 132 x 132 cm

1. Symposion "Gipfelkunst am Schaumberg"

Tholey, Schaumberg, Herzweg

 

"Menschenwerk hat nicht Bestand", schreibt der römische Dichter Horaz - was könnte eher für Menschenwerk im Gegensatz zur Natur stehen als der Begriff "Haus", der bis hin zum zeitgenössischen Piktogramm als Symbol für Zivilisation, Kultur, Menschenwerk steht, was auch Begriffe wie Haushalt, Hausrat, Hausrecht deutlich machen. Das Begriffspaar "Haus und Hof" bedeutet seit dem 12./15. Jahrhundert im rechtlichen Sinne "Haus und Landbesitz".


Geradezu ein dreidimensionales Piktogramm ist das "Haus" von Inga Rusz.


Aber das fest gefügte Menschenwerk ist nicht stabil, es kippt über eine Ecke ab. In einem Schriftstück des 14. Jahrhunderts heißt es: "…do meint er steende eigen, also husere" - das im Gesetz verankerte Hab und Gut steht nicht mehr auf festem Grund - andere Kräfte wirken auf das Menschenwerk.


Eine zweite Irritation zeigt die Künstlerin in ihrem Werk: Das Haus ist fest gefügt aus alten Schieferplatten einer 200 Jahre alten Kirche: keine Tür, keine Fenster, Dach und Wände aus geschlossenen grauen Platten - kein Nutzen mehr ist im Menschenwerk.


So stellt man sich vielleicht vor, wenn etwas versteinert, wenn das Haus zu Fels wird, wie die Frau des Lot zur Salzsäule, wenn das Menschenwerk aus seinem Fundament gehoben und wieder zur Natur wird.

 

 

Bibliografie

  • Gemeinde Tholey und BBK Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Saarland e.V. (Hg.): Gipfelkunst am Schaumberg. Redaktion: Monika Schrickel und Jutta Backes-Burr. Saarbrücken o. J. (2008)

 

 

Michael Jähne

letzte Änderung: Mittwoch, 25.11.2009