Jo Enzweiler, Wandgestaltung, 1977, Beton, Wandfarbe, 2,00 x 40,00 m, Oberfinanzdirektion Saarbrücken

Jo Enzweiler, Wandgestaltung, 1977, Beton, Wandfarbe, 2,00 x 40,00 m, Oberfinanzdirektion Saarbrücken 

Jo Enzweiler, farbiges Holzmodell der Wandgestaltung für das Gebäude Oberfinanzdirektion, Hauptzollamt in Saarbrücken, Maßstab 1:10, ca. 50 x 65 cm

Jo Enzweiler, farbiges Holzmodell der Wandgestaltung für das Gebäude Oberfinanzdirektion, Hauptzollamt in Saarbrücken, Maßstab 1:10, ca. 50 x 65 cm 

Jo Enzweiler, farbiges Holzmodell der Wandgestaltung für das Gebäude Oberfinanzdirektion, Hauptzollamt in Saarbrücken, Maßstab 1:10, ca. 50 x 65 cm

Jo Enzweiler, farbiges Holzmodell der Wandgestaltung für das Gebäude Oberfinanzdirektion, Hauptzollamt in Saarbrücken, Maßstab 1:10, ca. 50 x 65 cm 

Jo Enzweiler, Farbleitsystem, Wandfarbe Oberfinanzdirektion Saarbrücken, DetailJo Enzweiler, Farbstudie, ca. 50 x 70 cm

Jo Enzweiler, Farbleitsystem, Wandfarbe Oberfinanzdirektion Saarbrücken, Detail 

Jo Enzweiler, Farbstudie, ca. 50 x 70 cm 

Saarbrücken, Enzweiler, Wandgestaltung und Farbleitsystem

Letzte Änderung: 14/03/2013

Jo Enzweiler, 1977
Beton, Wandfarbe, 2,00 x 40,00 m
Oberfinanzdirektion Saarbrücken, Präsident-Baltz-Str. 5

 

1977 konnte Jo Enzweiler den Wettbewerb zur künstlerischen Ausstattung der Oberfinanzdirektion Saarbrücken für sich entscheiden. Ihm kam die Ausgestaltung des Eingangsbereiches sowie die farbige Innenraumgestaltung des Gebäudes zu. Für die Reliefgestaltung des über drei Wandflächen des Außenbaus verlaufenden Reliefs reichte Jo Enzweiler drei Modellentwürfe ein. Die im Maßstab 1:10 ausgeführten Holzmodelle sehen verschiedene Möglichkeiten der rhythmisierenden Gliederung der Wandfläche vor. Zwei der drei Entwürfe weisen eine vertikale Gliederung auf. Hierzu montierte Enzweiler schmale Holzlatten nebeneinander. Einer dieser Entwürfe konzentriert sich auf streng stereometrische Formen, indem sich die aneinander gereihten Holzlatten zu Rechtecksformationen, Diagonalen oder auf die Spitze gestellten Quadraten verdichten. Bei der Komposition des anderen Modellentwurfs variiert der Künstler freier mit den Holzlatten. Einzelne Partien des Modells verdichten sich, ohne dabei auf geometrische Formationen zu rekurrieren. Vielmehr bilden sich Ballungsräume, die nicht klar abgrenzbar frei variieren. Der dritte Modellentwurf unterscheidet sich von den voran beschriebenen in dem veränderten Umgang mit den Raumverhältnissen. Während die Kompositionen der zuerst beschriebenen Entwürfe durch eine kleinteilige Vielheit von Einzelformen bestechen, geht das dritte Modell großzügiger mit der Raumaufteilung um. Die Vielzahl parallel montierter Holzlatten wird durch eine spaltenartige Gliederung der Grundfläche abgelöst. Bildeten die Holzlatten das konstruktive Element der ersten beiden Entwürfe, so fand Enzweiler für den dritten Modellvorschlag ein komplexeres, rautenförmiges Grundelement, das er aus der Grundrissform des Gebäudes herleiten konnte. Dieser dritte Entwurf kam schließlich zur Ausführung.


Das ausgeführte Relief führt in drei nahtlos ineinander übergehenden Abschnitten um zwei Gebäudeecken und setzt sich an der Eingangswand in das Innere des Gebäudes fort. Das extreme Querformat wird durch ein seriell angeordnetes Raster schmaler, vertikaler Flächen strukturiert. Das rautenartige Grundelement, das das insgesamt 40 Meter breite und 2 Meter hohe Reliefband in vertikale Einheiten gliedert, lässt sich auf die Form des Gebäudegrundrisses zurückführen, den der Künstler durch optische Beschneidung auf die Form eines schmal vertikalen Parallelogramms reduzierte. Diese Grundform verwendet Enzweiler für sein Relief in der Reihung. Indem der Künstler die vertikal gelagerten, hervortretenden Flächen verschiedentlich diagonal abtreppt, erzielt er blickweisende Gestaltungselemente, die im Wechsel aufsteigende und abfallende Linien beschreiben. Die jeweils im stumpfen Winkel aufeinander treffenden Gestaltungslinien stellen wiederum einen Bezug zu dem Gebäudegrundriss dar, der deutlich die im stumpfen Winkel abknickenden Gebäudeecken markiert.


In der Gestaltung lassen sich Parallelen zu dem vier Jahre zuvor entstandenen Aluminiumrelief für die Kreissparkasse Saarlouis sowie dem Steinrelief der Saarbrücker Musikhochschule beobachten. Die dort bereits thematisierten, Blick weisenden Kompositionen, die durch Diagonale und Schräge die Flächen dynamisieren, scheinen hier variiert. Der oberflächliche Vergleich zeigt, was bereits die Betrachtung unterschiedlicher Werkgruppen des Künstlers offenbarte: Unabhängig von der Materialwahl lassen sich Gestaltungsparallelen aufweisen, die mit dem Vokabular der Sprache der konkreten Kunst Jo Enzweilers sprechen.


Das Relief für die Oberfinanzdirektion wurde im Betongussverfahren realisiert. Die durch die Holzverschalungen hervorgerufene Oberflächenstruktur des Betonreliefs dynamisiert zusätzlich die Fläche. Nachträglich wurde die Reliefgestaltung in Gelb und Weiß farbig gefasst. Nach der Farbgestaltung der Fassadenflächen kam Jo Enzweiler die gesamte Farbberatung des Gebäudes zu, die eine zusätzliche farbige Fassung der Etagen vorsah.


Die als Farbleitsystem konzipierte Wandgestaltung transferiert dabei die formale Reliefgestaltung der Außenwand in den Innenraum des Gebäudes. Auch hier greift Jo Enzweiler auf die Grundform des Parallelogramms zurück, das er in der vertikalen und horizontalen Reihung durch Variationen in der Größe auf den Etagen unterschiedlich thematisiert. Jede Etage ist farblich charakterisiert, wobei die Farbklänge von dem Untergeschoss bis hin zu der obersten sechsten Etage heller werden. In vier Farbtönen und jeweils zwei Helligkeitsstufen erstreckt sich die Farbpalette von Rot über Blau und Grün bis hin zu Gelb, wobei jede Farbe zunächst in einem dunklen und in der darüber liegenden Etage in einem helleren Farbton erscheint. Auf einer Etage dominiert so ein Farbton, der in der Sättigung variiert und im Kontrast mit der Farbe Weiß in der Intensität gesteigert wird.


Mit der künstlerischen Ausgestaltung der Oberfinanzdirektion Saarbrücken gelang Jo Enzweiler die Verwirklichung seines Gedankens eines durch Kunst gesamtheitlich gestalteten Bauwerkes. Die in sich abgeschlossene Wirkung des Gebäudes, die der Besucher bzw. der Benutzer mit dem Betreten des Gebäudes von Etage zu Etage nachvollziehen kann, rekurriert auf das Ideal des baulichen Gesamtkunstwerkes.

 

 

Bibliografie

  • Claudia Maas (Hg.): Jo Enzweiler. Projekte im öffentlichen Raum 1962-2004. Bearbeitet von Sandra Kraemer. Saarbrücken 2005, S. 56-63 >>>

 

 

Sandra Kraemer


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