György Lehoczky, ohne Titel, Wandbild, 1951 (Signatur und Jahreszahl unten links), Mosaik, farbige Keramik, ca. 220 x 150 cm. Foto: Max Ziegert (Nachlass Lehoczky)

György Lehoczky, ohne Titel, Wandbild, 1951 (Signatur und Jahreszahl unten links), Mosaik, farbige Keramik, ca. 220 x 150 cm 

György Lehoczky, Fantasielandschaft mit Christophorus, 1968, 44 x 54 cm. Foto: Archiv Dieckmann-Lehoczky

György Lehoczky, Fantasielandschaft mit Christophorus, 1968, 44 x 54 cm, Privatsammlung 

Saarlouis, Lehoczky, Wandbild

Letzte Änderung: 04/10/2016

György Lehoczky

Wandbild, 1951 (Signatur und Jahreszahl unten links)

Mosaik, farbige Keramik, ca. 220 x 150 cm

Grundschule Im Alten Kloster, Klosterstraße 17, Saarlouis-Fraulautern

 

Ein wenig bekanntes Werk, das György Lehoczky im öffentlichen Raum schuf, ist eine Wandgestaltung für die "Grundschule Im Alten Kloster" zu Fraulautern. Sie zählt zu seinen frühen saarländischen Arbeiten. Die Fraulauterner Grundschule befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen Adligen Frauenstifts ordinis St. Augustini. Die Klostergebäude, die vor dem Zweiten Weltkrieg als Bürgermeisteramt genutzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, wurden 1949-50 von Stadtbaurat Peter Focht wiederaufgebaut und für die Zwecke einer Volksschule hergerichtet.

 

Lehoczky entwarf das Mosaikbild für die Rückwand einer türhohen, tiefen Wandnische, die mit einem profiliertem Sandsteinrahmen unter Stichbogen gefasst ist. Die Darstellung füllt etwa die oberen drei Viertel der Wandfeldes aus, das untere Viertel ist als neutrale Fläche mosaiziert. Mit der Ausführung beauftragte man die Firma Villeroy & Boch, Mettlach. 

 

Wie auf vielen seiner mit feinem Pinselstrich gemalten Tafelbildern lässt Lehoczky auch in diesem aus kleinen, rechteckigen (zumeist quadratischen) Steinen zusammengesetzten Mosaik seinen ganz eigenen Kosmos aus Figuren und Gegenständen entstehen, die in geradezu überbordender Fülle das Bildfeld beleben. Wasser, Erde und Luft sind die "Elemente", in denen sich die phantastischen Szenerien entfalten; das vierte "Element", das Feuer, wird durch die Sonne und den rauchenden Schornstein eines Dampfschiffs symbolisiert. Beherrscht wird die Darstellung von einem großen Einmaster, der mit geblähtem Segel durch die Wogen von rechts nach links und damit gegen die europäische Leserichtung gleitet. Anker, Heckaufbau, Takelage und Mastkorb sind mit der gleichen Detailfreude wiedergegeben wie die Zeichen und Symbole auf Segel und Fahnen. Neben und hinter dem großen Schiff ziehen außerdem ein kleines Papierfaltboot und der Dampfer über das Gewässer, das von Fischen dicht bevölkert ist. Auch die Luft ist beinahe übervoll belebt. Beschienen von einer Sonne, deren strahlendes Gesicht teils von einer Wolke verdeckt ist, ziehen geflügelte Wesen durch das Firmament: Vögel wie Schwalbe, Storch, Ente oder Taube, aber auch ein kleines Propellerflugzeug und ein Engel. Der Engel mit dem feinen Gesicht - ein in Lehoczkys architektonischem, skulpturalem, plastischem, zeichnerischem und malerischem Werk wiederkehrendes Motiv - schwebt segnend über dem Gewässer und der Landschaft, die sich als Element Erde zwischen Wasser und Luft schiebt. Für Lehoczky typische Architekturen säumen das Gestade: giebelständige kleine Häuser, eine barocke Kirche mit Schweifgiebel und Zwiebelturm. Dahinter zeichnen sich runde Hügel ab. Darauf wachsen Bäume und lassen Kinder einen Papierdrachen steigen.

 

György Lehoczky arbeitete als Architekt, Zeichner, Buchillustrator und Maler von Tafel-, Glas-, Wand- und Keramikbildern, er schuf die Vorlagen für Reliefs und Skulpturen aus Stein, für Metall- und Emaillearbeiten und - zwar selten aber nicht zuletzt - für Wandbilder aus Mosaik. Das Wandmosaik in Fraulautern ist eines dieser seltenen Arbeiten. Von den Bildern, die Lehoczky in seiner ungarischen Zeit malte und regelmäßig in den jährlichen Frühjahrs- und Herbstsalons der Budapester Kunsthalle ausstellte, ist bisher keines bekannt geworden. So kann nicht beurteilt werden, ob das Fraulauterner Wandbild an die Budapester Bilder anknüpft. Im Vergleich zu den Tafelbildern, die Lehoczky, der 1947 ins Saarland kam, vor allem in den 1960er und 1970er Jahren in Saarbrücken malte, erscheint das Mosaikbild indes wie ein Vorgriff auf diese Schaffensperiode. 

 

 

Bibliografie

  • Walther Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis. Düsseldorf 1934, S. 191-197
  • R. Rudolf Rehanek: Fraulautern. Geschichte der Hochadeligen Abtei und des Dorfes. Saarlouis 1978 (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1)
  • Arbeitskreis György Lehoczky (Hg.): György Lehoczky. 1901-1979. Architektur, Malerei, Kunst im sakralen Raum, Kunst im öffentlichen Raum, Buchillustration. Saarbrücken 2010

 

Quelle

  • Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Objekt Nr. 4360

 

Oranna Dimmig


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