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Dörte Rathje, Plastik, "Ring", 2008, Eisen, geschweißt Höhe: 40 cm, Durchmesser: 400 cm (Foto: Christine Kellermann)

Dörte Rathje, Plastik, "Ring", 2008, Eisen, geschweißt Höhe: 40 cm, Durchmesser: 400 cm 

"Ring", 2008 (Foto: Dörte Rathje)

"Ring", 2008 

Schaumberg, Rathje, Plastik

Dörte Rathje

Plastik, "Ring", 2008

Eisenblech, geschweißt, Höhe: 40 cm, Durchmesser: 400 cm

1. Symposion "Gipfelkunst am Schaumberg"

Tholey, Schaumberg, Herzweg

 

Die Arbeit von Dörte Ratje gehört - misst man sie am Objekt von Max Kohn - eher zu den stilleren, zurückhaltenden Arbeiten, ist aber nicht weniger eindringlich. Der Eisenring von Rathje ist vielleicht die etwas geheimnisvollere Arbeit - auch was ihren Bezug zur Landschaft betrifft.


Rathje platziert neun gleichmäßig gekrümmte Eisenkörper (Höhe und Breite je 40 cm) unter Einbeziehung von fünf gleich großen Lücken so in der Landschaft, dass ein (durchbrochener) Kreis oder Ring entsteht. Nun ist der Kreis in dieser Ansehung zunächst eine geometrische Figur und einer der wichtigsten Begriffe der ebenen Geometrie.


Ein Kreis ist definiert als Menge (geometrischer Ort) aller Punkte der euklidischen Ebene, deren Abstand von einem vorgegebenen Punkt M gleich einer festen positiven reellen Zahl r ist. Der Kreis ist also die Ortslinie aller Punkte mit dieser Eigenschaft.

 

Diese kurze Definition mag schon die Naturferne dieser Arbeit aufrufen - zumindest was die Struktur außerhalb des mikroskopischen Bereiches angeht.


In der Natur erscheint also etwas Naturfernes - um in der Terminologie zu bleiben: konstruiertes Menschenwerk. Darüber hinaus verschließt es sich einer offenkundigen Deutung. Aber gerade der Kreis als Naturfernes in der Natur erzeugt eine Aura des Geheimnisvollen, man denke an die Kornkreise oder als berühmtes Beispiel an die Steinkreise von Stonehenge in England. Offensichtlich nicht natürlichen Ursprungs, scheinen sie doch mit der Natur/Landschaft verbunden.


Eine der Deutungen sieht Stonehenge als Teil der religiösen Landschaft, etwa als Endpunkt einer rituellen Begräbnisprozessionsstraße, die mit hölzernen Bauten, als Symbol des Lebens, begann und im Kreis aus Stein, als Symbol des Todes, endete: die Reise vom Holz über das Wasser zum Stein als Reise vom Leben in den Tod.
Hinzu kommt die Deutung von Stonehenge als astronomische Installation, die sich ja auch auf einen Teil der Natur, den Sternenhimmel, bezieht.


So ließe sich auch Rathjes Eisenkreis als Symbol für den Kreislauf des Lebens deuten, wobei sich diese symbolische, d. h. geistige "Verbildlichung" als Menschenwerk in die Natur, in die Landschaft einfügt - das abstrakte, geometrische Artefakt wird vom Organischen umschlossen.

 

 

Bibliografie

  • Gemeinde Tholey und BBK Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Saarland e.V. (Hg.): Gipfelkunst am Schaumberg. Redaktion: Monika Schrickel und Jutta Backes-Burr. Saarbrücken o. J. (2008)

 

 

Michael Jähne

letzte Änderung: Mittwoch, 25.11.2009