Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, 1928, Ansicht von Westen. Foto: Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010, S. 10

Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, 1928, Ansicht von Westen 

Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, Ansicht von Nordwesten. Foto: Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010, S. 10

Ansicht von Nordwesten 

Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, Nord- und Südansicht. Foto: Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010, S. 19; das Original befindet sich im Stadtarchiv Kaiserslautern

Nord- und Südansicht 

Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, Westansicht. Foto: Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010, S. 21; das Original befindet sich im Stadtarchiv Kaiserslautern

Westansicht 

Hans Herkommer, Villa Glaeser., Kaiserslautern, Innenansicht. Foto: Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010, S. 24

Innenansicht 

Kaiserslautern, Wohnhaus Glaeser

Letzte Änderung: 09/04/2013

Nahezu gleichzeitig mit dem Wohnhaus Becker in St. Ingbert, 1927/28, entwarf der Stuttgarter Architekt Hans Herkommer (1887-1956) in Kaiserslautern das großzügige Landhaus des Emaillefabrikanten Max Glaeser. Das Wohnhaus bot Platz für seine Familie wie für seine hochrangige Kunstsammlung der klassischen Moderne. Mit diesem Bau beweist Herkommer erneut seine Meisterschaft, traditionelle Formen mit dem Vokabular des Neuen Bauens zur Synthese zu bringen.

 

Eine Allee führt auf den fast bescheiden wirkenden Eingang in einem Baukörper aus drei ineinander verschränkten, in der Höhe abnehmenden, dynamisch in die Tiefe gestaffelten Kuben. Die wohlproportionierte, breit gelagerte Mitte ist zweigeschossig und wird auf einer Seite gefasst vom hohen Treppen- und Wirtschaftsturm, während sie auf der anderen ein niedriger, weit vorspringender Anbau abschirmt. Dazwischen schiebt sich eine die Mitte heraushebende Gartenterrasse. Flach wirkende Dächer und Dachterrasse, senkrecht eingeschlitzte oder horizontal gelagerte, auch horizontal geteilte Fenster, stellenweise um die Ecke gezogene Fensterbänder entsprechen dem Bauhausstil, nicht jedoch die Baudetails dieser betonten Mitte. Das Erdgeschoss akzentuieren drei symmetrisch gegliederte Fenstertüren, darüber drei von Rundbogen gerahmte Türen, die den weit ausschwingenden Balkon im Obergeschoss erschließen. Das für Herkommer typische Rundbogendetail kehrt auch hier wieder und wiederholt sich innen als Wanddurchbruch. Mit diesem mittleren, symmetrisch angelegten, lagernden Kubus weckt der Architekt traditionelle, bekannte Anmutungen. Herausgelöst aus der Komposition, mit einem Dach versehen, wäre der Kubus dem Haus Köhler in Schwäbisch Gmünd von Hans Herkommer vergleichbar, oder einem Wohnhaus in Stuttgart von Paul Bonatz, die beide dem Heimatstil verbunden sind. Hier aber ist er unverzichtbarer Teil eines Baukörpergefüges in der Sprache der Neuen Architektur.

 

Im Zentrum der inneren Raumfolge liegt die große Halle, in der die nach dem Krieg zerstreute Kunstsammlung präsentiert wurde. Die Halle ist höher als die anderen Räume des Hauses, die Türen konzentrieren sich auf die Raumecken, um große Wandflächen zum Hängen der Bilder zu gewinnen. Auch verließ sich Herkommer nicht allein auf das einfallende Tageslicht, sondern entwarf eine damals innovative Lichtdecke. Um diese Halle gruppiert sich eine Vielzahl unterschiedlicher Zimmer mit gestaffelten Deckenhöhen, mit Ruhezonen und Podesten, sie alle bezogen auf den Ausblick in die Gartenlandschaft. Nicht scheinbare Leichtigkeit und Transparenz - Kennzeichen der Villen von Mies van der Rohe oder Hans Scharoun - charakterisieren Hans Herkommers Landhaus Glaeser. Sein Wohnhaus machen fest verankerte, einzelne Baukörper, die die Konturen der Landschaft nachzeichnen und die als Pendant zur gegenüberstehenden Fabrik des Hausherrn angesehen werden können, eindrucksvoll. Die Wiedererkennungsmomente der Baudetails erleichterte die Akzeptanz durch Bewohner und Besucher.

 

Die Villa Glaeser steht unter Denkmalschutz und ist seit einigen Jahren unbewohnt. Bis zum Auszug der letzten Bewohner war sie weitgehend auch mit ihrer inneren Ausstattung fast vollständig erhalten. Jetzt ist sie dem Vandalismus ausgesetzt, der Verfall schreitet fort.

 

Marlen Dittmann

 

 

Bibliografie

  • Matthias Schirren (Hg.): Moderne Architektur Exemplarisch. Hans Herkommer (1887-1956). Katalog zur Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern. Kaiserslautern 2010
  • Elke Sohn: Avantgardistisch und traditionalistisch. Zu den saarländischen Bauten des Architekten Hans Herkommer. In: Saar-Geschichten. Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte, Heft 1, 2013, S. 12-17, S. 17

 

Redaktion: Oranna Dimmig, Claudia Maas


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